Internet

Wofür brauchen Flüchtlinge Internet?

  • Kontakt nach Hause oder zu Freunden irgendwo in der Welt
  • Informationen aller Art
  • Lernen, Übersetzungsdienste
  • Arbeitssuche
  • Unterhaltung

 

Internet per Handy bzw Internet-Stick

  • funktioniert je nach Gebäude, Ort und Netz verschieden gut
  • relativ teuer (meist Grundgebühr zzgl. Datenvolumen-Paket)
  • langsam, außer es gibt HSDPA oder sogar LTE
  • Drosselung nach Erreichen einer bestimmten Datenmenge
  • Verträge sind Kostenfallen
  • Prepaid möglich
  • Meistens individuelle Lösung, jeder zahlt für sich selber
  • Ein LTE WLAN-Router (mit Außenantenne) könnte für mehrere Nutzer eine brauchbare Lösung sein

 

Internet per Satellit

  • Keine Änderungen am Anschluss des Hauses
  • Auch ohne Mindestlaufzeit möglich:
    http://www.skydsl.eu/de-DE/Satelliten-Internet/tariff/skydsl2p
  • Anbieter: SkyDSL, Eutelsat, andere?
  • Preise vergleichbar mit DSL über Telefonkabel
  • Geschwindigkeit in der Praxis oft nicht so hoch wie versprochen
  • teilweise Drosselung nach Erreichen einer bestimmten Datenmenge
  • Es sollten alle in der Unterkunft beteiligt werden, damit es keinen Streit gibt: jeder bekommt den Zugang zum WLAN, und jeder zahlt mit.

 

Internet per Leitung

  • DSL wäre in den meisten Orten vermutlich die schnellste und billigste Lösung
  • Verträge sollten über einen Einheimischen laufen
  • Man könnte einen Hotspot auch in einem Nachbargebäude betreiben
  • Es gibt Monatsverträge
  • Haftungsfragen sind technisch lösbar
  • Es sollten alle in der Unterkunft beteiligt werden, damit es keinen Streit gibt: jeder bekommt den Zugang zum WLAN, und jeder zahlt mit.

Verbot durch das Landratsamt

Siehe Leitfaden für Ehrenamtliche (PDF), Seite 18:

Internet steht in den Unterkünften nicht zur Verfügung. Es dürfen keine Internetverträge für die Unterkunft abgeschlossen werden.

Das ist eine Entscheidung des LRA als Mieter der Unterkünfte.

Die Regierung von Schwaben macht den LRAs keine Vorschriften in der Hinsicht (siehe den Zeitungsartikel unten).
Die Regierung betreut die Gemeinschaftsunterkünfte, dort bietet sie keine eigenen Internetzugänge an. Allerdings ist es im Einzelfall möglich, dass z.B. in einem angemieteten Hotel vorhandene Infrastruktur auch genutzt werden kann. Es für die Regierung dann eine Einzelfall-Entscheidung zwischen dem Hausbesitzer / Vermieter und denjenigen, die einen DSL-Vertrag abschließen möchten.

Presse zum Thema:
Im Asylbewerberheim gibt’s kein Internet im Wittelsbacher Land – Aichacher Nachrichten, 23. Februar 2016

Mögliche Bedenken

  • Wer zahlt?
    • Die Person, die den DSL-Vertrag abgeschlossen hat, ist verantwortlich für die Bezahlung des Anschlusses. Diese Person ist nicht das Landratsamt.
    • Asylbewerber sollten keine Internet-Verträge abschließen (auch wenn manche Anbieter das ermöglichen):
      Unsicherheit bei der Aufenthaltsdauer, Problem regelmäßige Abbuchung vom Konto.
    • Ein Einheimischer bzw. ein Asylkreis könnte den Vertrag abschließen, also in Vorleistung gehen.
    • Für größtmögliche Flexibiliät gibt es Verträge ohne Mindestlaufzeit (=Monatsverträge)
  • Wer haftet, z.B. bei Urheberrechtsverletzungen (Tauschbörse)?
    Hinweis: Die Bundesregierung hat im Mai 2016 beschlossen, die Störerhaftung wieder abzuschaffen. Vermutlich ab Herbst 2016 werden dann offene WLANs ohne Haftungsproblematik möglich.

    • Es könnte der Vertragsinhaber zur Rechenschaft gezogen werden.
    • Absicherung ist auf technischem Wege möglich, genau wie bei allen öffentlichen WLAN-Hotspots (Hotels, Restaurants, Flughäfen,…)
    • Mehr Infos: Wikipedia zu Providerprivileg und Providerhaftung
  • Es kann Streit geben, wenn einzelne Internet haben und andere nicht.
    • Deshalb sollte ein WLAN für alle Bewohner der Unterkunft zugänglich sein. Natürlich sollten sich dann auch alle an den Kosten beteiligen.
    • In manchen Dörfern geht DSL technisch nicht. Das betrifft aber auch die Einheimischen.

 

Wie schaut es anderswo aus?

Deutschlandweit aktiv sind die „Freifunk“ -Initiativen. Diese bauen freie, unabhängige und nichtkommerzielle Funknetze auf, indem Privatleute ihren Internetzugang öffentlich erreichbar machen. Es profitieren also alle Menschen im Ort. Auch Asylunterkünfte wurden schon ans Netz gebracht. Hier eine unvollständige Übersicht.

Die Freifunk-Gruppe in Augsburg hat in Zusammenarbeit mit der Volldabei Initiative die GU Calmbergstraße mit Internet versorgt. Blog-Artikel hierzu:

Freifunk Augsburg: Voll vernetzt mit Volldabei
Initiative Volldabei: Freifunk verbindet

BR, 31. 8. 2015: Beitrag über Refugees online und Freifunk

Internet für Flüchtlinge: Gar nicht so einfach, Gutes zu tun – Spiegel, 21. 7. 2015

Ohne Freiwillige kein Internet – Zeit, 1. 10. 2015

 

Der Verein „Refugees onlinewww.refugees-online.de aus Gilching hat Internetzugänge und Computerräume eingerichtet für die Erstaufnahmeeinrichtung am Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck und in der Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung in Germering (WLAN per DSL). Noch im Spätsommer wird die Erstaufnahmeeinrichtung in Regensburg dazukommen. Der Verein bietet auch an, Helferkreise zum Thema Internet zu beraten.

BR, 31. 8. 2015: Beitrag über Refugees online und Freifunk

SZ, 6. 7. 2015: Internetzugang für Flüchtlinge: Kampf um Anschluss

In dem Artikel wird „Refugees Online“ vorgestellt, aber auch andere Versuche. Zum Beispiel haben sich Helfer in Taufkirchen an der Vils einen kleinen Trick ausgedacht: „Die Unterkunft wird vom Landratsamt gepachtet, da kommen wir nicht ran. Aber die Garage im Haus ist nicht vermietet, da werden wir unseren Router hinstellen“.

 

Landsberger Tagblatt, 20. 8. 2015: Ein Missverständnis mit Folgen
Im Landkreis Landsberg (Oberbayern) wurde beschlossen, in allen Unterkünften einen Internetanschluss einzurichten. Angefangen wird mit zwei abgelegenen Unterkünften:

Ende Juli wurde daher zunächst nur beschlossen, in den abgelegenen Unterkünften in Bischofsried und Obermühlhausen mittels SkyDSL die Voraussetzungen für einen Internetanschluss zu schaffen.

 

In Langweid (Landkreis Augsburg, Schwaben) wird gerade eine Internetlösung mit Zugangssystem der Firma Hotsplots eingerichtet. Zuerst wird der Schulungsraum, das Erdgeschoß und der Eingangsbereich versorgt. Das Ticketsystem ermöglicht rechtliche Sicherheit und Kostenbeteiligung durch die Nutzer. Die Inbetriebnahme erfolgt mit Gestattung des Landratsamtes, die Beauftragung wird privat aus dem Helferkreis organisiert.

In Meitingen (Landkreis Augsburg, Schwaben) wurden mehrere öffentliche WLAN-Hotspots von der Gemeinde eingerichtet. Diese werden auch gerne von Asylbewerbern genutzt, schreibt die Augsburger Allgemeine

Die GU in Memmingerberg (Landkreis Unterallgäu, Schwaben) hat freies WLAN. In den meisten dezentralen Unterkünften dort haben sich die Asylbewerber selbst zusammen Internet organisiert, in einer Unterkunft wird es vom Asylkreis zur Verfügung gestellt.

Zorneding (Landkreis Ebersberg, Oberbayern) hat Internet im Schulungsraum und auch das Containerdorf soll versorgt werden.

 

Das Land Baden-Württemberg wird alle Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge mit kostenlosem WLAN versorgen, berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Im Schwarzwald-Baar-Kreis (Villingen-Schwenningen und Umgebung) wird in allen Gemeinschaftsunterkünften WLAN vom Landratsamt umsonst angeboten, sagt http://asylhelfer.freeforums.net/post/35/thread

 

Technische Überlegungen

DSL-Anschluss

Inhaber sollte am besten ein Einheimischer sein. Idealerweise wäre der Anschluss im Haus, eventuell könnte es aber auch ein nahegelegenes Nachbargebäude sein.

Nicht jeder Anbieter kann an jedem Ort DSL liefern. Die theoretische Verfügbarkeit kann man vorher auf den Websites überprüfen, endgültig wird es durch den Techniker vor Ort getestet. Zum Anschließen muss der Techniker ins Haus kommen und an die Telefonleitung hin können.

Mögliche DSL-Anbieter:

www.mnet.de

  • „kleiner“ Anbieter mit eigenem Netz (Telekom-unabhängig), meistens recht guter Support
  • nicht überall verfügbar
  • Vertrag ohne Mindestlaufzeit möglich, Kündigungsfrist 6 Wochen
    Tarifübersicht „Surf-Flats“

www.congstar.de

www.1und1.de

  • kürzeste Laufzeit: 3 Monate
  • Support-Qualität unbekannt

 

WLAN

Wenn der DSL-Anschluss funktioniert, könnte man an sich schon WLAN anbieten, nur hat der Inhaber ggf. das Haftungsproblem. Die Rechtssprechung bessert sich zwar langsam, aber um sicher zu gehen, kann man an den funktionierenden DSL-Anschluss eine weitere Box eines „Hotspot-Dienstleisters“ anschließen. Diese neue Box baut dann die WLAN-Internetverbindung über den DSL-Anschluss und den Server der Dienstleistungsfirma auf (technisch: ein VPN-Tunnel). Der Zugriff aufs Internet erfolgt damit über den Server dieser Firma. Als Provider hat die Firma selber keine Haftung und muss auch nichts speichern, so dass der DSL-Inhaber vor Ort keine Probleme bekommt.

Mögliche Hotspot-Anbieter:

www.sorglosinternet.de

  • Monatliche Verträge möglich
  • Kosten: Box einmalig 99 Euro (netto) inkl. der Nutzung für einen Monat, danach monatlich 19 Euro + MwSt.

https://openspot.net

Auch die Freifunk-Initiative (siehe oben) kann als Betreiber eines Hotspots auftreten.

Ein anderer Ansatz ist, dass jeder Nutzer des WLANs sich dort identifizierbar anmelden muss. Damit kann dann zurückverfolgt werden, wer das Internet wann genutzt hat. Jeder User bekommt eine eigene IP-Adresse, der Anschluss-Inhaber ist also nicht haftbar. Mit einem solchen Ticket-System arbeitet der Verein „Refugees online“ www.refugees-online.de (siehe oben). Ein anderer Anbieter ist die Firma Frederix https://frederix.de/frederix-hotspot